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Stadtplan der Erinnerung

 

Bei dem "Stadtplan der Erinnerung" sollen in Kolumbien bisher nummerierte

Straßennamen im Zentrum von Bogotá nach den Verschwundenen benannt werden. "Wir

wollten damit den Verschwundenen ihren Platz in der Stadt zurückgeben"

Wir suchten einen gemeinsamen Raum für unsere Reflektionen und beschlossen, die Erinnerung in Kolumbien zu “rehabilitieren”. Wir stellten Recherchen an, suchten neue Möglichkeiten, beschäftigten uns mit dem “non Nato”, dem Problem der “Verschwundenen”. Wir suchten Mechanismen, die es erlauben, eine Diskussion über das wirklich Geschehene, eine Debatte über die Erinnerung, anzuregen.

 

Die Straße ist der wichtigste öffentliche Raum. Deshalb nahmen wir uns vor, die Straßen neu zu benennen. Dass in Kolumbien die Straßen nach US-Manier durch Zahlen gegliedert werden, hat dazu beigetragen, das kollektive Gedächtnis auszulöschen. Unsere Aktion beschränkt sich nicht darauf, den Straßen Namen zu geben; vielmehr verwenden wir dies als einen Mechanismus, der es den Angehörigen der Opfer von Menschenrechtsverletzungen erlaubt, das zu sagen, was sie loswerden müssen. Sie sind es, die den Straßen die Namen ihrer “Verschwundenen” geben werden. Mit dieser Aktion sollen die “Verschwundenen" einen konstanten Raum bekommen.

 

Wir könnten sagen, dass das politische Handeln in Kolumbien das Scheitern aller Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens ist. Eigentlich gibt es in Kolumbien eine Demokratie ohne Volk. Deshalb halten wir es für wichtig, Räume zu öffnen, in denen die Leute teilhaben und sich von ihren Bedürfnissen ausgehend artikulieren können. In diesem Sinne ist unsere Arbeit ein Versuch, politische Möglichkeiten außerhalb der Sphäre, die heute als politischer Raum verstanden wird, zu entwickeln. Wir müssen neu definieren, was wir unter Politik verstehen, und zur polis zurückkehren, als einer Organisationsform, die unter den Leuten, für sie und durch sie entsteht. Deshalb arbeiten wir mit der Idee der Politik auf der Straße, wir wollen mit der Distanz brechen, die der politische Diskurs geschaffen hat. Der erste Raum, den wir rekonstruieren müssen, ist die Straße.

 

n.N. - das Kürzel steht in Lateinamerika für Menschen, deren Identität nicht feststellbar ist, die als “unbekannt” beigesetzt oder in Massengräbern verscharrt werden. Oft handelt es sich dabei um “Verschwundene”, Opfer von willkürlicher Verhaftung, Folter, Mord. Ihre Angehörigen erfahren nie von ihrem Tod.